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Erfahrungsbericht
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![]() Meine Schule in Audincourt. |
September 1999 - April 2000 |
![]() Das Rathaus von Audincourt |
FSA 1999/2000 in Frankreich, Académie Besançon -
Liebe Nachfolgerin, lieber Nachfolger,
Zunächst einmal gratuliere ich Dir, daß Dein Antrag auf ein
Assistentenjahr in Frankreich genehmigt worden ist und Du zudem noch das große Glück
hast, im Franche-Comté "gelandet" zu sein. Du wirst in den sieben Monaten
während Deines Aufenthaltes vielerlei Dinge lernen und einige Erfahrungen machen, die
Dich ob nun gut oder auch mal schlecht auf jeden Fall weiterbringen werden.
Ich jedenfalls möchte die Zeit nicht missen und kann diese Art von Praktikum auch nur
weiter empfehlen.
Während der sieben Monate habe ich am Collège "J. Bauhin" und der Grundschule
"Les Forges" in Audincourt und in der Grundschule "Marcel Levin" in
Seloncourt gearbeitet.
Diesbezüglich muß ich dazu sagen, daß ich diesen Bericht mit sehr gemischten Gefühlen
schreibe. Einerseits habe ich eine unvergeßlich schöne Zeit im Franche-Comté verbracht,
wirklich gute Freunde gefunden und eine Menge Spaß bei der Arbeit mit den Grundschülern
gehabt, andererseits möchte ich nicht die Anfangszeit und die Anfangsschwierigkeiten
vergessen, die größtenteils mit dem Collège und der Art, wie man dort die Assistenten
aufnimmt und begleitet, zusammenhängt. Auf näheres möchte ich jedoch später nochmals
eingehen.
Praktische Hinweise
Neben Deinem sicherlich recht umfangreichen "Handgepäck" solltest Du vor allem nicht vergessen, daß Dein erstes Gehalt erst Ende Oktober kommt und Du aber schon vorher relativ viel Geld brauchst. Keine Angst, das pegelt sich alles ein, aber gerade am Anfang mußt Du eine eventuelle Kaution für Deine Wohnung einplanen, Du brauchst Bustickets oder Benzingeld, Du willst Dich eventuell für Kurse einschreiben (Sportvereine haben meist eine Jahresgebühr, außer natürlich bei Schulmannschaften), die ersten Kontakte knüpfen sich in der Regel durch abendliches Weggehen (diesbezüglich ist selbst Montbéliard manchmal mit Paris zu vergleichen) und natürlich darf man die ersten Ferien Ende Oktober nicht vergessen. Die erste Möglichkeit zum Verreisen bietet sich an und es wäre schade darauf verzichten zu müssen. Zwar wird Dir oft erzählt, daß Du einen Vorschuß beantragen kannst, aber ich kenne niemanden, dem er genehmigt worden ist...
Mindestens genauso wichtig sind alle nötigen Dokumente mit 1-2 Kopien. Fange rechtzeitig an, alles zusammenzusammeln, denn bekanntlich sind Behörden nicht die schnellsten und es kann schon passieren, daß man erst beim zweiten Anlauf das gewünschte Papier bekommt. Ich verweise Dich auf die Unterlagen vom PAD und meine angefügte Liste.
Solltest Du auch am Collège J. Bauhin arbeiten, dann mache Dir bitte keine Illusionen: auch ich habe zwei Briefe an die Schulleitung geschickt, in denen ich mich vorgestellt und um die Adresse meiner zuständigen Lehrerin gebeten hatte. Leider bekam ich nie eine Antwort, was mich allerdings, nachdem ich die Direktorin und die Mentalität am Collège kennengelernt habe, auch nicht weiter gewundert hat. Zwar habe ich nur zwei Tage pro Woche dort gearbeitet und vielleicht hat dies zu einem gewissen Anteil den Kontakt erschwert. Fakt ist aber auch, daß die Lehrer sehr verschlossen und wenig kontaktfreudig waren. Auf genauere Gründe werde ich später noch einmal eingehen.
Pädagogische Erfahrungen
Ein letzter Satz zum Collège, in der Schulkantine kannst Du recht gut für 13,50FF jeden Mittag essen.
Persönliche Eindrücke
Auch wenn hier und da in meinem Bericht Kritik angeklungen ist, so möchte ich Dich keinesfalls verschrecken oder gar entmutigen. Dein Aufenthalt im Franche-Comté wird Dir eine unvergeßliche Erfahrung sein und ich möchte versuchen, auf der letzten Seite meines Berichtes noch soviel wie möglich an positiven Eindrücken meinerseits zu vermitteln.
Zunächst muß ich sagen, daß die Einwohner sehr oft den typischen Franzosen verkörpern: man macht alles in Ruhe, man streßt sich nicht und man ist immer aufgeschlossen gegenüber Neuem oder Nicht-Franzosen. Allerdings muß man Montbéliard verlassen, um dies "mitzuerleben". Das Pays de Montbéliard besteht aus vielen kleinen Dörfern, die mit ihren fließenden Übergängen ineinander eher einer größeren Stadt ähneln. Das hat Vorteile und Nachteile: man findet alle nötigen Behörden, hat eine Bibliothek, den Bahnhof oder den Supermarkt direkt vor der Tür, man stellt allerdings auch eine gewisse für Städte typische Anonymität fest hauptsächlich in Montbéliard.
Wenn Du es irgendwie einrichten kannst, dann fahre mit dem eigenen Auto hin. Das Bus-&Bahnnetz ist innerhalb des Pays de Montbéliard (die Bahn auch darüber hinaus) sehr gut ausgebaut und funktioniert hervorragend, es gibt aber tausend Sehenswürdigkeiten und interessante Fleckchen im Haut Doubs, wo leider kein Zug mehr hinkommt. Um eine Käserei zu besichtigen, die Quelle des Doubs zu besuchen, "antike" Handwerksstätten oder die unbeschreiblich schöne Natur des Franche-Comté zu bewundern ist man leider ohne Auto völlig aufgeschmissen. Von daher kann es wieder hilfreich sein, andere Assistenten zu kennen und gemeinsam auf Tour zu gehen.
In Montbéliard selbst gibt es vielfältige Möglichkeiten der Zerstreuung. An Schulen gibt es Sportvereine, zumeist auch mit Lehrermannschaften nie zögern zu fragen!!! - , es gibt inzwischen 2 oder 3 Internetcafés in der Stadt (z.B. in dem Gebäude rechts vom Bahnhof, dort ist auch die Bibliothek), es gibt Museen und ein Schloß und fürs abendliche Ausgehen stehen zwei Kinos, viele kleine Kneipchen, Pubs oder auch Diskos zur Verfügung. (z.B. O'Brian's Pub gegenüber vom Bahnhof). Treibst Du gern Sport oder begeisterst Dich für ausgedehnte Spaziergänge, Wanderungen, Fahrradtouren oder Skifahren, dann bist Du im Franche-Comté genau richtig. Die Gegend eignet sich hervorragend zum Wandern, Mountainbiking oder spazierngehen und die angrenzenden Vogesen oder auch das Jura-Gebirge laden im Winter zum Skifahren ein.
Am besten schreibst Du im Voraus an das Office de tourisme ("Le Baladin", F- 25400 Audincourt) die Dich bereitwillig mit allem notwendigen Infomaterial ausstatten werden.
Zur Fortbildung kann ich nicht viel sagen. Die nächste Uni in Besançon liegt eine reichliche Zugstunde von Montbéliard entfernt und ist für mich damit ausgefallen. Mein Geheimtip zur Verbesserung der Sprache war Reden ohne Ende mit allen Personen, die mir über den Weg gelaufen sind, und vor allem auch viel Lesen und französische Musik hören.
Tja, dann bleibt mir am Ende nur noch, Dir gaaanz viel Spaß und viel Erfolg bei deinem Aufenthalt in Frankreich zu wünschen. Glaub mir, Du hast ein Glückslos mit der Region und der Mentalität der Leute gezogen! Vor allen Dingen mußt Du immer bereit sein, Engagement zu zeigen. Tritt den Leuten auf den Bauch, laß Dich nicht abwimmeln, laß Dich nicht unterkriegen (vor allem von den Schülern nicht) und gib vor allem nicht vorzeitig auf. Auch ich mußte lernen, viel Eigeninitiative zu zeigen und dadurch Kontakte zu knüpfen, aber geschadet hat es mit ganz bestimmt nicht. Auch wenn es vor allem am Anfang oft schwer erscheint, so wirst Du es nicht bereuen, bis zum Ende durchgehalten zu haben und letztendlich wird es Dir genauso schwerfallen wie mir, die Zeit in Frankreich beenden zu müssen. Man sammelt nicht nur Erfahrungen bezüglich des Unterrichtens oder im Umgang mit Klassen, man lernt vor allem auch eine ganze Menge wichtiger Dinge über sich selbst und für das spätere Leben. Um die gesammelten Erfahrungen und Eindrücke kann Dich niemand bringen! Die Kultur und Mentalität eines anderen Landes kennenzulernen läßt viele Dinge kritischer betrachten oder läßt ganz einfach auch mal über Kleinigkeiten hinwegsehen. Es gibt schöne oder auch ärgerliche Momente lernen kann man aus beiden etwas. Ich denke jedenfalls sehr gern und intensiv an meine sieben Monate in Frankreich zurück. Auch wenn es am Anfang nicht immer danach aussah, so war es ein Abschnitt in meinem Leben, den ich heute zu einem der schönsten zähle...
Ich hoffe, Dir mit meinen Erfahrungen weitergeholfen zu haben. Solltest Du noch Fragen haben, dann zögere nicht mir zu schreiben! Ich stehe Dir gern zur Verfügung und helfe Dir so gut es geht weiter.
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